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Datum: 17.04.2006 - Anlass: Ostermontag 2006 - Text: 1. Kor. 15,50-58
50 Das sage ich aber, liebe Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können; auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit.
51 Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden;
52 und das plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune erschallen und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden.
53 Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit.
54 Wenn aber dies Verwesliche anziehen wird die Unverweslichkeit und dies Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht (Jesaja 25,8; Hosea 13,14): »Der Tod ist verschlungen vom Sieg.
55 Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?«
56 Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz.
57 Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!
58 Darum, meine lieben Brüder, seid fest, unerschütterlich und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn.
Liebe Gemeinde,
„Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“ so tönt es nach der alten Übersetzung triumphierend zu uns.
Heute am Ostermontag geht es um die Bedeutung des Ostergeschehens für uns. Stand gestern die Freude über allem, die Freude über das Ereignis der Auferstehung Jesu, so steht heute die Frage im Raum, was heißt das für uns, was bedeutet das für die Menschen, die an Christus glauben, da geht es nicht nur, um die Frage was ist mit Jesus geschehen? Sondern es geht um de Frage, was wird mit uns geschehen?
Diese Frage stellen sich die Korinther, an die Paulus schreibt, ganz deutlich. Ihre Fragen bringen Paulus dazu, ihnen das wichtigste des Glaubens noch einmal deutlich vor Augen zu halten, und das wichtigste des Glaubens ist der Glaube an die Auferstehung Jesu Christi, und die Folgen, die das für uns hat.
Die Korinther, seit einigen Jahren im Glauben stehend, erleben nun fast zwanzig Jahre nach den ersten Bekehrungen unter ihnen, dass nun dann doch dann und wann, Menschen, die an die Auferstehung Jesu Christi geglaubt haben, sterben müssen. Ja sie sind nicht mehr unter den Lebenden. Für die korinthischen Christen, war das eine neue Erfahrung, die ihren Glauben auf die Probe stellte, sollte denn alles umsonst gewesen sein, sollte der jahrzehntelange Glauben nur vergeblich sein?
Sie wussten nicht mehr weiter, und warteten auch eine Nachricht des Paulus, der ihre Gemeinde ja gegründet hatte.
Ihre Fragen hören sich für uns vielleicht fremd an, ja vielleicht sogar weltfremd, aber wir müssen sie ernst nehmen, so wie wir auch ernst genommen werden wollen in unseren Fragen des Glaubens. Wie stellten sie sich das ewige Leben vor, als ein immer währendes Voranschreiten auf der Erde, als eine Unbegrenztheit des irdischen Lebens? Das hört sich für uns fremd an, wie stellten sie sich die Auferstehung von den Toten vor? Als irdische Fortschreibung des Lebens, so wie wir es gekannt haben?
Was sollten die Korinther auch denken damals? Es wurde ihnen die Auferstehung der Toten bei den Christen versprochen, und nicht einfach nur das fortexistieren der unsichtbaren Seele, so wie sie es von den Griechen her kannten?
Mit Ihren Fragen, haben sie uns das wertvollste Zeugnis, des Auferstehungsglaubens geliefert, das wir heute haben. Die Rede des Paulus im 15. Kapitel des ersten Korintherbriefes ist das älteste Zeugnis, das wir über die Auferstehung Jesu schriftlich vorliegen haben, wenn man mit den Wissenschaftlern übereinstimmt, dass die Zeugnisse der Evangelisten frühestens zehn Jahre später entstanden sind.
So schreibt er am Anfang dieses Kapitels: „3 Denn als Erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; 4 und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift; 5 und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen.“
So weit so gut, das haben die Korinther angenommen, deshalb nennen sie sich Christen. Was mit Christus geschehen ist, ist das eine, aber was geschieht mit uns?
Paulus versucht aufgrund der Überlieferung ihnen das zu sagen, was er selbst glaubt. Es wird eine Verwandlung mit uns vorgehen, nichts wird mehr so sein, wie es war. Es wird anders werden.
Doch was er da sagt, vom verweslichen und unverweslichem, von der allgemeinen Auferstehung beim Schall der letzten Posaune, das hat vielleicht die Korinther getröstet, doch für uns klingt das fremd.
Aber wir brauchen auch diesen Trost, wir braucen auch die Hoffnung des Glaubens, die für uns ganz speziell gilt.
Paulus benutzt in seiner Rede Bilder, wie sie auch Jesus benutzt, Bilder aus der Natur:
42 So auch die Auferstehung der Toten. Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.
43 Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Armseligkeit und wird auferstehen in Kraft.
44 Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Gibt es einen natürlichen Leib, so gibt es auch einen geistlichen Leib.
So beschriebt es der Apostel, und lehtnt sich damit, an an das Gleichnis, vom Samenkorn, das Jesus erzählt hat.
Joh.12,24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.
Wir erleben also, das in der Natur Verwandlungen vor sich gehen, die wir manchmal als ganz selbstverständlich hinnehmen und sie nicht hinterfragen. Sie gehören zu unserem Leben, und werden als Normal empfunden, aber wir erkennen nicht ihre Besonderheit.
Vielleicht können wir das besondere der Verwandlung in einer Geschichte aus unserer Zeit erkennen:
Eines Morgens stürzte von den Blättern eines Baumes ein besonders großer Tautropfen kopfüber ins Meer. Die vielen Wellen rissen ihn mit sich. Verzweifelt versuchte er, sich zu befreien. Jeden Augenblick glaubte er, sich auflösen zu müssen. Da hörte er eine Stimme: "Rasch -komm in mein Haus! Dort bist du sicher!"
Blindlings folgte er dem rettenden Ruf alsbald schlossen sich hinter ihm die Schalen einer Muschel. Zuerst atmete er dankbar auf. Aber langsam begriff er: "Ich bin hier zwar sicher, aber nicht mehr frei. Vielleicht werde ich nie mehr im Licht der Sonne in allen Regenbogenfarben leuchten!"
Schließlich vertraute er seinen Kummer seiner freundlichen Wirtin an. Da sagte die weise, alte Muschel zu ihm: "Wenn du dich trotzig wider dein Schicksal sperrst, wirst du immer wieder ohnmächtig Schmerz empfinden. Wenn du aber alles annimmst und geduldig bist, wird es dir leichter ums Herz sein." Und geheimnisvoll fügte sie hinzu: "Dann wirst du von innen her immer fester werden. Eines Tages wirst du tausendmal mehr sein, als du warst, ehe du stürztest!"
Der Tautropfen seufzte. Aber er war bereit, diese Lehre zu befolgen, die er nicht ganz verstand. Er lebte von jetzt an still und ohne Klage, ganz in sich gekehrt in seinem Muschelhaus. Und richtig: Er fühlte erstaunt, dass etwas in ihm wuchs und wuchs und ihm viel Kraft gab. Erfreut dachte er: "Lebe wohl, was gestern war - das Heute kann nicht ewig dauern - vielleicht beginnt einmal mein großes Morgen!"
Eines Tages sah er von der spaltbreit geöffneten Muschel aus etwas wie eine große, weiße Blüte im Wasser treiben. Es war aber keine Blume, sondern die Hand einer Perlentaucherin, welche die Muschel mit vielen anderen vom Fels pflückte. Bald lagen sie ausgebreitet auf einem Tuch am Strand, und die geübten Hände der Mädchen brachen eine nach der anderen vorsichtig auf. Plötzlich rief eine von ihnen entzückt: "Oh seht - ich habe eine vollkommen schöne Perle gefunden! Sie sieht aus wie ein Tautropfen und schimmert in allen Regenbogenfarben. Die ist sicher ein Vermögen wert."
Alle blickten auf ihre Hand, wo die kostbare Perle wie auf einem Lotosblatt ruhte. Die Perle, die am Anfang nicht mehr gewesen war als ein vergänglicher Tropfen Wasser unter tausend anderen Wassertropfen ...
(gekürzt nach Friedel Marggraf, der sich an einer Legende der Südsee orientierte, Ferment 3/80, S. 22 u. 25. Hoffsümmer, Kurzgeschichten.)
Eine schöne Geschichte: ein Tautropfen, überlebt in den Fluten des Meeres und wird zu einer Perle.
Jesus selbst erzählte die Geschichte von der kostbaren Perle, für die ein Mensch alles stehen und liegen lässt, und alles verkauft, sich also von allem trennt, um die Perle zu erhalten.
Vielleicht ist diese kostbare Perle, das ewige leben, und vielleicht brauchen wir sei gar nicht teuer erkaufen, sondern nur einfach auf diese Verwandlung zu vertrauen.
Wir erleben in der Natur wunderbare Geschichten von Verwandlungen, vielleicht hat Gott seinen Schöpfung so gestaltet, dass wir mit offenen Augen diese Verwandlungen sehen, um so an unsere eigene Verwandlung zu glauben.
Es gibt etwas zwischen Himmel und Erde, dass sich dem Normalen verschließt, etwas , dass sich so wunderbar anhört, dass es schwer ist zuglauben, aber dennoch geschieht es.
Wir erleben dies auch in einer anderen Geschichte:
Da war einmal ein guter Mensch. Er hatte Mitleid mit dem hässlichen Gewürm der Raupen, wie sie sich Stunde für Stunde vorwärts plagten, um mühselig den Stängel zu erklettern und ihr Fressen zu suchen -keine Ahnung von der Sonne, dem Regenbogen in den Wolken, den Liedern der Nachtigall! Und der Mensch dachte: Wenn diese Raupen wüssten, was da einmal sein wird! Wenn diese Raupen ahnten, was ihnen als Schmetterling blühen wird: Sie würden ganz anders leben, froher, zuversichtlicher, mit mehr Hoffnung. Sie würden erkennen: Das Leben besteht nicht nur aus Fressen und der Tod ist nicht das Letzte.
So dachte der gute Mensch, und er wollte ihnen sagen: Ihr werdet frei sein! Ihr werdet eure Schwerfälligkeit verlieren! Ihr werdet mühelos fliegen und Blüten finden! Und ihr werdet schön sein!
Aber die Raupen hörten nicht. Das Zukünftige, das Schmetterlinghafte ließ sich in der Raupensprache einfach nicht ausdrücken. - Er versuchte, Vergleiche zu finden: Es wird sein wie auf einem Feld voller Möhrenkraut... Und sie nickten, und mit ihrem Raupenhorizont dachten sie nur ans endlose Fressen.
Nein, so ging es nicht. Und als der gute Mensch neu anfing: Ihr Puppensarg sei nicht das Letzte, sie würden sich verwandeln, über Nacht würden ihnen Flügel wachsen, sie würden leuchten wie Gold - da sagten sie: Hau ab! Du spinnst! Du hältst uns nur vom Fressen ab! - Und sie rotteten sich zusammen, um ihn lächerlich zu machen.
(Vgl. Da war ein guter Mensch. Eine österliche Parabel, in: Im heiligen Dienst, Düsseldorf 1/78. Hoffsümmer, Kurzgeschichten.)
Die Verwandlung der Raupen in einen Schmetterling ist wohl das schönste, was uns die Biologie zu bieten hat.
Aus den hässlichen Blattfressern wird eines der schönsten Geschöpfe unserer Erde.
Wann erkennen wir, das das Leben nicht nur Fressen und Arbeiten besteht, wann freuen wir uns auf unsere Verwandlung?
Das Osterfest gibt uns Gelegenheit dazu.
Lassen wir uns tragen von der Freude des Osterfestes. Lassen wir uns anstecken von der Freude der ersten Jünger, lassen wir uns Mitreißen, von der Kraft der Frauen am leeren Grab, die überall erzählt haben, was die wundersames geschehen ist.
Lassen wir uns trösten, von den Fragen der Korinther, denn es sind auch unsere Fragen,
Lassen wir uns mitnehmen in die Schönheit der Verwandlungsgeschichten, denn nur so können wir auch an unsere Verwandlung glauben.
Wir wollen einstimmen in den Jubel des Paulus:
55 Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?« 57 Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!
Ich wünsche uns allen ein von der österlichen Hoffnung geprägtes Leben, und somit ein frohes und gesegnetes Osterfest! Amen.
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