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Datum: 23.1.2005  -  Anlass:  Septuagesimä - Text: Lk 17,7-10


7
Wer unter euch hat einen Knecht, der pflügt oder das Vieh weidet, und sagt ihm, wenn der vom Feld heimkommt: Komm gleich her und setz dich zu Tisch?

8 Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Bereite mir das Abendessen, schürze dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe; danach sollst du auch essen und trinken? 9 Dankt er etwa dem Knecht, dass er getan hat, was befohlen war? 10 So auch ihr! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.

 

Liebe Gemeinde,

wie ist eigentlich das Verhältnis von Gott und Mensch zu beschreiben?

Ist Gott der erste Anstößer, der den Stein ins Rollen gebracht hat und damit die Erde zum Drehen, der sich aber seit dem nicht weiter einmischt?

Ist Gott der Almmächtige Herrscher, der im Himmel thront und sich das Treiben auf der Erde kopfschüttelnd anschaut?

Oder ist Gott ein alternder Vater, der zwar Gutes für seine Kinder will, aber langsam den Überblick verloren hat?

Angesichts von Naturkatastrophen einerseits und menschlicher Ungerechtigkeit andererseits, fragen sich heute viele Menschen, wie Gott wohl zu dem allen steht.

Und die am meisten verbreitete Frage lautet: „Wie kann Gott das zulassen?“

Die Frage ist verständlich. Und sie darf, muss und soll gestellt werden.

Ein Mensch der erlebt, wie menschliches Leben vergeht, der sucht einen Grund. Kommt jemand im Straßenverkehr um, weil er unvorsichtig war, ist das tragisch aber einsehbar. Erleidet jemand eine schwere Krankheit, und hat vorher jahrzehntelang ungesund gelebt, ist das traurig, aber man weiß wo man bei der Suche nach dem Grund beginnen muss.

Anders ist es, wenn so genannte Unschuldige zu Schaden kommen. Dann ruft man nach Gott, der nach dem gesunden Volksempfinden doch dafür sorgen muss, dass alles mit rechten Dingen zu geht. Wo ist Gott, warum lässt er das zu?

Ich will jetzt keine vorschnelle Antwort auf diese Frage liefern, sondern mir geht es jetzt einmal zunächst nur um die Struktur dieser Frage.

Kann ich als Mensch überhaupt einsehen, wie Gott ist und wie er handelt?

Früher sagte man, ein Mensch der an Gott glaubt hat es leichter als andere. Alles, was wir nicht verstehen, das schreiben wir Gottes Schöpfung zu. So ging es früher mit den Naturphänomenen. Ein Blitz, ein Donner? Da ist Gott am Werk.

Heute wissen wir viel von physikalischen Vorgängen. Ein Blitz kommt durch elektrische Entladungen bei bestimmten Wetterlagen zustande und ein Donner ist halt der enorme Schall, der dabei entsteht, der aber den Weg zu uns langsamer zurücklegt, als das Licht.

Für die Beantwortung dieser Frage brauchen wir Gott nicht mehr. Die haben wir selbst gelöst.

Aber es bleiben andere, und die schieben wir immer noch auf Gott. Und weil die verbleibenden Fragen immer schwieriger werden, weil wir ja schon so viele andere gelöst haben, wird es auch für den Glaubenden immer schwieriger.

Der Ungläubige wird sagen: „Seht ihr, ich hab’s euch ja gleich gesagt! Euer Glaube nützt nichts.“ Doch der Glaubende, der in dieser modernen Welt an seinem Glauben festhält, der muss sich nun diesen Fragen stellen, die er sich zunächst einmal selbst stellt.

Und warum wird es schwerer? Weil die traditionellen Antworten nicht mehr weiterhelfen in der heutigen Zeit.

Wurde früher jemand von Gottes Blitz erschlagen, sagte man sich, er muss etwas böses getan haben. Doch mit dieser Fehleinschätzung räumte Jesus schon auf. Ein Tod durch Unfall, Krankheit, oder Katastrophe ist nicht die Strafe für die individuelle Schuld, der zu Tode gekommenen! So deute ich jedenfalls die Meinung Jesu, als er von den Menschen spricht, die umgekommen sind, als die Steine des zusammenstürzenden Turmes von Siloah auf sie fielen. Lk 13,4 Oder meint ihr, dass die achtzehn, auf die der Turm in Siloah fiel und erschlug sie, schuldiger gewesen sind als alle andern Menschen, die in Jerusalem wohnen?

Nein sie wahren genau so viel und so wenig schuldig, wie alle anderen, die es hätte treffen können.

Später half man sich mit einem anderen Erklärungsmuster. Man meinte, Gott will uns etwas sagen, wenn etwas schlimmes passiert. Er will den Überlebenden ein Zeichen geben.

Doch dieses modern angehauchte Erklärungsmuster ist grausamer als der antike Versuch einen plötzlichen Todesfall durch individuelle Schuld ´zu begründen.

Was für einen Gott hätten wir, der für eine pädagogische Lehrstunde unzähligen Menschen das Leben nimmt?

Ja, dem Glaubenden in der heutigen Zeit wird es nicht einfach gemacht.

Aber er hört nicht auf zu fragen. Doch welche Antwort wird er bekommen?

Und da ist wieder die Frage vom Anfang: wie ist eigentlich das Verhältnis von Gott und Mensch zu beschreiben?

Ist er uns eine Antwort schuldig auf diese Fragen?

Die kleine Geschichte, die ich zu Beginn der Predigt verlesen habe gibt da eine erstaunliche Antwort. Sie ist es wert noch einmal gehört zu werden:

7 Wer unter euch hat einen Knecht, der pflügt oder das Vieh weidet, und sagt ihm, wenn der vom Feld heimkommt: Komm gleich her und setz dich zu Tisch?

8 Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Bereite mir das Abendessen, schürze dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe; danach sollst du auch essen und trinken? 9 Dankt er etwa dem Knecht, dass er getan hat, was befohlen war? 10 So auch ihr! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.

Stellen wir uns noch mal die Frage: Ist Gott uns eine Antwort schuldig auf unsere Fragen?

Nach dieser Gleichnis-Geschichte ist Gott uns überhaupt nichts schuldig. Wir wären, die die zu tun haben was wir schuldig, sind ohne zu klagen.

Ist das so? Eine erstaunliche Denkweise vermittelt diese Beispielgeschichte, sie will so überhaupt nicht in unsere Zeit passen.

Heute stünde es einem Chef gut an, wenn er ab und zu seine Mitarbeiter zum Essen einlädt. Nicht jeden Abend, aber einmal im Jahr beim Betriebsfest, ist das schon ein feiner Zug. Mehr würde man auch nicht erwarten. Aber ein Wort des Dankes? Ist das zu viel verlangt? Kann nicht ein positives Wort auch aufbauend wirken? Erhöht es nicht die Leistung, wenn ich ab und zu mal gelobt werde? Doch all das kann ich nach dieser Geschichte nicht erwarten. „Mach deinen Job und meckere nicht!“, so könnte man es ganz einfach übersetzen. Das aus dem Munde Jesu! Ist das die Art und Weise wie Gott mit uns umgehen will? Sind wir denn nur unnütze Knechte, die nichts zu sagen haben?

Oder ist der Glaube an Gott doch altmodisch, wenn solche antiquierten Vorstellungen verbreitet werden?

Doch es geht auch anders, wir haben das heute in der Verlesung des Evangeliums gehört. Auch hier geht es um einen Arbeitgeber. Der setzt allerdings den Betriebsfrieden aufs Spiel, weil er einige Mitarbeiter besser bezahlt als andere. Jeder bekommt zwar, was ihm vertraglich zugesichert war, aber ungerecht erscheint es doch.

Die Leute werden jedenfalls unruhig, und wie verhält sich der Chef? Er sagt: „…habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist? Siehst du scheel drein, weil ich so gütig bin?“

Mit diesen Geschichten, die hier heute zu Gehör gebracht wurden, will die Kirche kein Arbeitgeberseminar bestücken. Es geht nicht darum, wie ein Unternehmer handeln soll, sondern es geht um das Verhältnis von Gott und Mensch. Gott lässt sich vom Menschen nicht verfügbar machen, er lässt sich nicht in die Karten schauen, er spielt nicht nach unseren Regeln, er hat seine eigenen Regeln, sie sind für uns nicht immer einsichtig. Er kann gütig sein, ohne dass es menschlichem Gerechtigkeitsempfinden entspricht, es kann unter seinem Herrschaftsbereich schlimmes geschehen, ohne dass er eingreift. Warum? Das ist nicht unsere Sache!

 

Ja, dem Glaubenden wird es schwer gemacht. In unserer Zeit sind wir herrschaftliches Gebaren nicht mehr gewohnt. Eine Entscheidung von Menschen, die Macht haben, muss begründet werden. Das ist gut und richtig so. Unter Menschen ist das genau die richtige Einstellung. Aber wie ist das mit Gott?

Wir können ihn nicht mit unseren menschlichen Maßstäben messen, wir können ihm nicht vorschreiben, was er zu tun und zu lassen hat.

 

Warum ist das Glauben heute schwerer geworden?

Früher schoben die Menschen für ihre ungelösten Fragen, Gott die Verantwortung zu. Heute meinen die Menschen, sie hätten eigentlich alle Fragen gelöst, und sie suchen nur noch jemanden, der die Lösungen im großen Stil umsetzt.

Doch Gott ist nicht, einfach das fehlende Glied in der Kette. Er ist nicht einfach für das verantwortlich, was wir nicht können, oder nicht wissen. Gott handelt nach seinen eigenen Prinzipien, sie sind nicht immer einsichtig, aber es ist auch nicht Aufgaben der Menschen, die göttlichen Fragen zu lösen.

Aber wie verhalte ich mich dann als glaubender Mensch? Ich versuche an den Platz an dem ich gestellt bin meine Aufgaben zu erfüllen. Ich tu das, was ich kann, ich setze mich ein, wo ich kann, und tue das alles mit Liebe und Hingabe.

Ich kann auch mit den Weinenden klagen, wenn es angebracht ist, und ich kann meinen Unmut über die unbeantworteten Fragen vor Gott bringen, aber ich darf nicht nur auf eine solche Antwort hoffen, die mir in den Kram passt.

Gottes Antwort ist sicherlich anders, als wenn wir sie uns selbst geben würden. Darum wollen wir sie auch ihm überlassen, und es mit dem Wochenspruch halten. Wir liegen vor dir mit unserm Gebet und vertrauen nicht auf unsre Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. Daniel 9,18

Amen.

 

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