© Pfarrer Michael Nitzke, Ev. Philippus-Kirchengemeinde Bezirk Kirchhörde - Startseite - Predigt-Auswahlseite - e-mail

Datum:  13.5.2010 -  Anlass:  Himmelfahrtsgottesdienst im Rombergpark - Text: Apostelgeschichte 1,3-11

3 Ihnen zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes. 4 Und als er mit ihnen zusammen war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr, so sprach er, von mir gehört habt; 5 denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen. 6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? 7 Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; 8 aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde. 9 Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. 10 Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. 11 Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.

 

Liebe Schwestern und Brüder im Rombergpark,

Himmelfahrt zu feiern, ist das eine! Zu erfahren, was Himmelfahrt bedeutet, ist das andere.

Der Brauch, Himmelfahrt unter freiem Himmel im Rombergpark zu feiern, ist schon einmal der richtige Weg.

Der ordentliche Protestant wird nun sagen: „Was ist denn der Unterschied, ob ich in geschlossenen Räumen an Gott denke oder unter freiem Himmel?

Nun, wer das Wagnis eingeht, im Freien zu feiern, der wird den Unterschied schnell feststellen. Lohnt sich der Aufwand, wenn man nicht weiß, ob der Gottesdienst auch stattfindet?

„Bei Regen fällt der Gottesdienst aus“, dieser Satz prangt nun auf den Plakaten. Ich muss zugeben, er wirkt ein wenig zu bescheiden. In der Vergangenheit konnten wir uns bei Regen unter dem Dach des Hotels zurückziehen, doch das steht nicht mehr, der Ort harrt einer anderen Verwendung. Ein Dach für Gottesdienstbesucher, die einmal im Jahr ihre geschützte Kirche verlassen, um sich der Natur auszusetzten, vor der sie dann im Extremfall doch fliehen, wird nicht die erste Priorität für Investoren sein.

Also lernen wir beim Himmelfahrtsgottesdienst etwas Gottvertrauen, Schlimmeres als nass zu werden, kann uns ja nicht passieren.

„Alles Gute kommt von oben!“. Das ist nicht nur ein Spruch, um schlechtes Wetter schön zu reden, das ist auch ein Spruch, um die Bescheidenheit des Menschen deutlich machen.

So wie ich am Himmelfahrtstag nicht wirklich weiß, ob der Gottesdienst stattfindet oder wegen Regen ausfällt, so weiß ich auch nicht wirklich, was Gott mit mir vorhat.

Ähnlich ging es den Jüngern nach Auskunft der Apostelgeschichte 40 Tage nach Ostern:

„Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat.“ (Apg 1,6-7)

Ja, das muss für die Jünger eine ziemlich frustrierende Auskunft gewesen sein. Es gebührt euch nicht zu wissen, was kommt. Wofür laufen sie dann so lange hinter ihm her, wenn sie nicht einen kleinen Vorsprung von Informationen haben?

Der Auferstandene gibt ihnen einen Bonus. Sie dürfen sich durch aus als Privilegierte fühlen, denn sie erhalten eine Information, die es in sich hat:

aber ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.

Die Kraft des Heiligen Geistes wurde den Jüngern angekündigt, dann verschwand er vor ihren Augen.

Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg.

Nun ist am Himmelfahrtstag meistens darüber geredet worden, wie das wohl ging, dass Jesus in den Wolken verschwindet. Aber selten wird davon geredet, wie etwas aus den Wolken, also aus dem Himmel, zurück kommen kann. Ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen.

Die Kraft des Heiligen Geistes ist also die Kraft aus dem Himmel, denn wenn Jesus Christus zu seinem Vater auffährt, dann soll wohl seine Kraft aus dem Himmel kommen.

Nehmen wir einmal die Verheißung an! Wie mag die Kraft aussehen, die aus dem Himmel kommt? Kraft aus dem Himmel? Geht das überhaupt? Ja, das geht natürlich. Die deutlichste Kraft aus dem Himmel ist die Sonne, die uns unsere Wärme gibt. Nehmen wir die Sonne als Gleichnis, natürlich im Bewusstsein, dass sie nicht gleichbedeutend mit der Kraft des Heiligen Geistes ist. Nach dem Glaubens wurde sie von Gott geschaffen, der Himmel und Erde schuf. Die Sonne gibt uns Wärme und Licht, ohne beides könnten wir nicht leben, und auch wenn heute beides aus anderen Quellen kommt, dann sehen wir doch die Sonne als Ursache allen Lichtes und der damit verbundenen Wärme.

 

Und jedes Kind weiß heute, dass ich diese Kraft mit eigenen Mitteln aus dem Himmel holen kann, und das sie mehr Energie gibt, als ich selber schaffen könnte. Die Sonne treibt heutzutage ganze Kraftwerke an, oder sie sorgt auf manchen Hausdächern dafür, dass die Energiebilanz stimmt.

Die Sonne schafft also Kraft aus dem Himmel, geschenkte Energie. Und welches Kind weiß nicht, dass Sonnenlicht auch ein Feuer entfachen kann, wenn es in die richtigen Bahnen geleitet wird.

 

Es gibt noch andere Möglichkeiten, Kraft aus dem Himmel zu erlangen. Da ist vor allem der Wind zu nennen. Ähnlich wie die Sonnenkollektoren auf dem Dach sammeln die Windräder die natürliche Energie ein und wandeln sie um, so dass sie vom heutigen modernen Menschen gebraucht werden kann.

Aber nicht erst die Windräder unserer Zeit haben das vollbracht. Die Segel der Seefahrer wurden vom Wind bewegt. Und viele Mühlräder auf unserer Erde wurden vom Wind angetrieben, wenn er die großen Flügeln an den imposanten Windmühlengebäuden bewegte.

Und beim Wind erleben wir auch, dass die Kraft Gottes und die Kraft der Natur im Einklang stehen.

Sowohl im Hebräischen, als auch im griechischen ist das Wort für Wind das selbe Wort wie für Geist.

In unserer modernen Welt erfahren wir das am besten durch das Wort Pneuma aus dem Griechischen. Jeder kennt die pneumatische Kraft, mit Luftdruck können schwere Dinge bewegt werden.

Die Franzosen nennen sogar ihre Autoreifen „pneu“, weil sie mit Luft aufgepumpt sind.

Wenn Jesus sagt: „ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen“, dann geht er wirklich von einer kräftigen Macht aus, wie es die Menschen auch von ihm erwarten.

 

Durch die Zeichen der Natur, zeigt uns Jesus die Kraft, die für uns normalerweise unsichtbar ist. Die Sonne wärmt uns, der Wind kühlt uns oder treibt uns an, auf jeden Fall, erleben wir auch heute Kraft aus dem Himmel.

Wir zweifeln nicht an der Kraft von oben.

Und selbst dann, wenn wir von dem, was aus dem Himmel kommt, möglicherweise vertrieben werden, auch dann erleben wir, dass der Himmel uns Kraft gibt.

 

Auch Regen gibt Kraft. „Er sendet Tau und Regen,…“ heißt es in Erntedanklied. Und im bekanntesten Kirchenlied Deutschlands wird Gott gelobt, „der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet.“

 

Wenn der Regen auch nicht willkommen geheißen wird, so kann man ihm seine Kraft doch nicht absprechen. Er treibt Menschen aus dem Park, und er füllt die Seen und Flüsse. Wenn man die Kraft des Wassers aus dem Himmel geschickt ausnützt, dann bekommt man auch eine ganze Menge Energie. Wasserkraftwerke werden von dieser Kraft aus dem Himmel angetrieben, seien es moderne Gezeitenkraftwerke oder ganz altmodische Wassermühlen, die ihr Wasser aus dem Bachlauf, ja auch letztlich aus den Wassern des Himmels beziehen, das auf die Erde regnet.

 

Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen. Kraft aus dem Himmel ist durchaus möglich, und die Beispiele zeigen, das Kraft aus dem Himmel durchaus real ist.

 

Licht, Wind und Wasser, sind auch für uns Kräfte, die wir nicht missen wollen. Doch wenn wir sie als Kraft des Geistes, als Kraft aus dem Himmel annehmen wollen, dann müssen wir erkennen, dass Gott uns die Kraft gibt, die sich in den Elementen entfalten kann.

 

So wie uns Sonne, Wind und Wasser, Kraft geben, unser Leben auf dieser Erde zu bestreiten, so geben sie uns auch Kraft unser Innerstes auf Gott zu richten.

Wir müssen nur auf die Zeichen reagieren, die uns unser Innerstes sendet. Mit diesen Zeichen erkennen wir auch, was Jesus Christus von uns erwartet.

Er möchte, dass wir, die wir die Signale des Himmels dankbar annehmen, er möchte uns die Energie und Kraft des Himmels geben, aber er möchte, dass wir auch auf die Erde schauen.

 

Nun könnte jemand meinen, „Was redet dieser Mensch, der sich für einen Pfarrer hält, über Wind- und Sonnenenergie? Will er die Menschen zum ökologischen Handeln bringen? - Das können Umweltorganisationen besser und eindeutiger! Warum sagt dieser Mensch, der sich Theologe nennt, ‚Alles Gute kommt von oben?‘ Kommt nicht auch viel Schlechtes von oben? Kommt nicht auch ein Hurrikane aus dem Himmel und richtet Schaden und unendliches Leid an? Da kann man doch nicht im Gottesdienst, die Kräfte der Natur mit den Kräften des Heiligen Geistes parallel setzen!“

Menschen, die sich Theologie auf ihre Fahnen schreiben, könnten so etwas sagen. Aber was sage ich den Gebildeten unter ihren Verfechtern?

Warum schuf Gott die Sonne und das Wasser, warum lässt er seinen Wind wehen, wo er will?

 

Ich kann ihm nur mit Gottes Wort antworten, wie es im 104. Psalm bezeugt ist.

 

1 Lobe den HERRN, meine Seele!

HERR, mein Gott, du bist sehr herrlich;

du bist schön und prächtig geschmückt.

2 Licht ist dein Kleid, das du anhast.

Du breitest den Himmel aus wie einen Teppich;

3 du baust deine Gemächer über den Wassern.

Du fährst auf den Wolken wie auf einem Wagen

und kommst daher auf den Fittichen des Windes,

4 der du machst Winde zu deinen Boten

und Feuerflammen zu deinen Dienern;

5 der du das Erdreich gegründet hast auf festen Boden, dass es bleibt immer und ewiglich.

6 Mit Fluten decktest du es wie mit einem Kleide,

und die Wasser standen über den Bergen. …

24 HERR, wie sind deine Werke so groß und viel!

Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.

 

Natürlich kann die Sonne ganze Ernten verbrennen, natürlich kann der Wind ganze Wälder entwurzeln, natürlich kann dieser Wind die Wasser des Meeres so aufwühlen, dass sie ganze Küsten verschlingen samt allen Menschen, Knecht, Magd, Vieh und alles was dabei sein mag. Ist das dann auch Gottes Kraft? Bewirkt Gott gar das Böse in dieser Welt?

 

Nun, er bewirkt es sicherlich nicht, weil er gerade mal Langeweile hat, aber auch das Böse steht unter seiner Herrschaft, wie Hiob schmerzlich erfahren musste. Und dazu ist manches Leidbringende vom Menschen, der nun mal zum Bösen neigt, nicht unbeeinflusst. Erderwärmung durch Umwelteinflüsse? - Alles dummes Gerede! Leichtbauhäuser in Erdbebengebieten? - Was kann der Mensch dafür? Wie kann Gott das zulassen?

 

Und während ich so nachdenke sehe ich im zitierten 104. Psalm ein Wort, das von brennender Aktualität ist. In Vers 32 heißt es:

32 Er schaut die Erde an, so bebt sie;

er rührt die Berge an, so rauchen sie.

Das lasse ich mir auf der Zunge zergehen: Er rührt die Berge an, so rauchen sie.

Obwohl Rauchen ja in der Öffentlichkeit weitgehend verboten ist, hat sich ein Berg nicht daran gehalten. Er qualmt, was das Zeug hält. Verschmutzt er damit den Himmel? Oder hat er ihn nicht ein paar Tage lang rein gehalten? Des Menschen Fluggeräte blieben auf der Erde. Natürlich verlor die Volkswirtschaft Abermillionen, aber wäre das Gold auf der hohen Kante nicht auch sonst auf andere Weise in Finanzkrisen verrostet?

 

Den isländischen Vulkan hat niemand vorsätzlich angesteckt. Niemand hat auch dort sein Haus verloren, weil Isländer wissen, wo sie bauen.

Eine ganze Menge Leute blieben auf der Erde. Die Kanzlerin machte in Busreise durch Europa, und meine Schwägerin hat dadurch den Papst aus nächster Nähe gesehen.

Und einige Tage blieb der Himmel über Europa frei von menschlichem Fluggerät!

 

Vielleicht musste einige Tage lang der Himmel von des Menschen Werk gereinigt werden, um für Gottes Wirken Raum zu schaffen.

 

Den gebildeten Theologen wird das nicht befriedigen, aber der Wald- und Wiesenpfarrer ist froh einen aktuellen Predigteinfall seinen Worten hinzugefügt zu haben.

Auf dieser Erde können wir die Energie gebrauchen, die aus dem Himmel kommt. Sie ist uns ein Zeichen dafür, dass Gott im Himmel mehr vermag, als wir auf Erden zu erahnen vermögen. Jesus Christus ist in den Himmel zurückgefahren, nachdem er auf der Erde erlebt hat, zu was Menschen fähig sind. Aber er schenkt uns dennoch seine Liebe. Wir empfinden das bei einem wärmenden Sonnenstrahl, bei einem leichten Sommerregen, der die Blumen erblühen lässt, wir erfahren es bei einer erfrischenden Brise. Und wir erfahren es, wenn Gottes Geist bei Naturkatastrophen die Mensch bewegt zu helfen und das Leid miteinander zu teilen. Dann erfahren wir wirklich:   Gottes Geist gibt uns Kraft. Er ermöglicht uns, dass wir auch an Himmelfahrt auf die Erde schauen, um dort unsere Aufgaben mit seiner Kraft zu erfüllen: Im Bibeltext heißt es: was steht ihr da und seht zum Himmel?

 

Für uns heißt das, „starrt keine Löcher in die Luft. Nutzt dass, was euch der Herr gegeben hat, eure Urteilsfähigkeit, eure Liebe an die Mitmenschen, und eure Hingabe an die Benachteiligten, so wie es euch Christus in der Bergpredigt gelehrt hat.“ Beten am Himmelfahrtstag heißt nicht, weltfremd zu sein.

Zwei Männer, die manche für Engel hielten, sagten zu den Jüngern: „was steht ihr da und seht zum Himmel?“

Ja, sie sahen zum Himmel, und trauerten ihm nach, aber wenig später erwuchs in ihnen seine Kraft, die Kraft, die er aus dem Himmel heraus geben kann: Sonne, Wind und die Kraft des Wassers. Sie alle resultieren aus der Kraft des Geistes.

Und von diesem Geist sagt, der, der in den Himmel gefahren ist, selbst: „ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.“

Und wenn der Heilige Geist wirklich meint, dass die Worte des Wald- und Parkpredigers völlig geistlos seien, dann hätte er ein Einsehen gehabt und hätte Regen geschickt und niemand hätte diese Worte gehört. Ich wünsche uns allen, den Mut aus unseren geschützten Räumen heraus zu gehen, und unter freiem Himmel uns den Gefahren auszusetzen, die er birgt. Und dann merken wir, dass es weniger Gefahren sind, als wir uns denken. Das bisschen Regen halten wir aus, aber die Kraft, die die Sonne uns gibt, und die Stärke, die der Wind vereint mit Gottes Geist uns gibt, die gibt uns Kraft für unser Leben als Christen in dieser Welt.     Amen.

 

© Pfarrer Michael Nitzke, Ev. Philippus-Kirchengemeinde Bezirk Kirchhörde - Startseite - Predigt-Auswahlseite - e-mail