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Datum:  03.09.2006 -  Anlass:  Goldene Konfirmation - Text:  Sprüche 3,1-8

Spr 3,1 Mein Sohn, vergiss meine Weisung nicht, und dein Herz behalte meine Gebote, 2 denn sie werden dir langes Leben bringen und gute Jahre und Frieden; 3 Gnade und Treue sollen dich nicht verlassen. Hänge meine Gebote an deinen Hals und schreibe sie auf die Tafel deines Herzens, 4 so wirst du Freundlichkeit und Klugheit erlangen, die Gott und den Menschen gefallen.

5 Verlass dich auf den HERRN von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand, 6 sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen.

7 Dünke dich nicht, weise zu sein, sondern fürchte den HERRN und weiche vom Bösen. 8 Das wird deinem Leibe heilsam sein und deine Gebeine erquicken.

Liebe Goldkonfirmandinnen, liebe Goldkonfirmanden,

vor 50 Jahre, oder sei es ein Jahr mehr oder weiniger wurden Sie hier in Kirchhörde eingesegnet. Die Kirche sah damals noch anders aus, aber der Gott, vor dem Sie sich mit ihrem Glauben bekannt haben, ist der gleiche.

Als junge Mädchen und Jungen haben Sie vor dem Altar gekniet und empfingen durch den Pfarrer ihren Segen für das Leben. Damals war es für vierzehnjährige noch ein anderes Leben als heute. Viele gingen damals sicher in die Lehre, und mussten schnell lernen, auf eigenen Füßen zu stehen. Und wer sich auf ein Späteres Studium vorbereiten wollte, und weiter aufs Gymnasium ging hatte sicher einen anderen Status als heute. Wenn man nach der Konfirmation in die Obersekunda kam und davon träumte Primaner zu werden, dann war das etwas anderes, als sich heute im Dschungel der Grund- und Leistungskurse zurechtzufinden, und wenn man gefragt wird, in welcher Klasse man ist dann kann man nur mit dem schmucklosen Begriff „Jahrgangsstufe 12" antworten.

Aber nun, dass sind alles Äußerlichkeiten, was passiert denn mit einem jungen Menschen, bei der Konfirmation damals wie heute? Ein junger Mensch, der Träume und Ziele hat, der aber noch verspielt ist und viele Flausen im Kopf hat, der soll auf das Leben vorbereitet werden. Und die Kirche tut das, indem sie den Menschen sagt, es gibt noch etwas anderes als Zahlen und Lehrbücher. Es gibt noch mehr im Leben auf das ich mich freuen kann, als auf den ersten Gehaltszettel. Es ist einer da oben im Himmel, oder wo immer wir ihn auch vermuten, es ist einer da, der schaut auf unsere Leben und will es begleiten. Er will uns stärken im Glauben, und er will uns helfen, damit wir in diesem Leben bestehen.

Nun das könnte ich heute genauso den jungen Konfirmanden gesagt haben, aber wenn ich es Ihnen heute sage, dann können wir die Worte quasi auf den Prüfstand legen.

Hat die Konfirmation bei Ihnen bewirkt, wo zu sie gedacht ist? Hat sie Sie im Glauben bestärkt? Hat dieser Glaube Sie getragen, als es vielleicht nicht immer nur Erfolge im Leben gab? Hat Gott auf Sie geschaut, und haben Sie das gemerkt?

Vielleicht sind Sie heute hier, weil Sie zu manchem in Ihrem Leben Fragen haben, und auf eine Antwort hoffen, die Sie immer noch nicht vernommen haben. Vielleicht sind Sie auch hier, weil Sie einfach „Danke" sagen wollen. „Danke, lieber Gott, für die Begleitung, die du mir geschenkt hast. Danke, für berufliche Erfolge. Danke, für eine liebe Familie. Danke, für mein Leben, dass du bis hierher bewahrt hast. Danke auch, dass du mir manchmal ein Träne abgewischt hast, und mir wieder Mut gegeben hast, als ich es wirklich brauchte."

5 Verlass dich auf den HERRN von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand, 6 sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen.

So heißt der zentrale Satz aus dem Abschnitt, der Sprüche Salomos. Ein Bibeltext der bei Konfirmationen gepredigt wird, ein Satz der in die Zukunft blickt, der uns aber auch heute bei der Rückschau helfen kann.

„Verlass dich auf den Herrn und nicht auf deinen Verstand." Nun das hört sich wieder so an, als seien die von der Kirche so weltfremd. Da wird einem in der Ausbildung und im ganzen Leben der Verstand geschärft, aber die Kirche sagt dann, ich soll mich nicht darauf verlassen. Wozu dann das Ganze?

Den Verstand zu schärfen ist eine lebenslange Aufgabe, aber wer diese Aufgabe weitgehend bewältigt hat, weiß auch, dass es Grenzen gibt. Grenzen der Erkenntnis, Grenzen des Verstandes, Dinge und Ereignisse, die wir mit unserem eigenen Vermögen nicht einordnen können, Erlebnisse, die uns zeigen: da ist noch ein anderer am Werk.

7 Dünke dich nicht, weise zu sein, sondern fürchte den HERRN und weiche vom Bösen. 8 Das wird deinem Leibe heilsam sein und deine Gebeine erquicken.

Ja, auf diesen Ratschlag zu hören ist sicher richtig. Aber die eigene Weisheit hintanzustellen, heißt ja nicht, unvorbereitet durchs Leben zu gehen. Ich gebe ja nicht den Verstand an der Garderobe des Lebens ab, und warte, dass alles wie von selber geht.

Ich nehme das mit, was Gott mir sagt: vergiss meine Weisung nicht, und dein Herz behalte meine Gebote, denn sie werden dir langes Leben bringen und gute Jahre und Frieden.

Haben Sie diesen Frieden verspürt? Ich bin sicher, wenn auch nicht im Leben alles nur eitel Sonnenschein war, so haben Sie doch sicher den Frieden Gottes erlebt, den er Ihnen auch gegeben hat, wenn es einmal nicht alles wie am Schnürchen lief.

3 Gnade und Treue sollen dich nicht verlassen. Hänge meine Gebote an deinen Hals und schreibe sie auf die Tafel deines Herzens, 4 so wirst du Freundlichkeit und Klugheit erlangen, die Gott und den Menschen gefallen.

So weltfremd sind diese Ratschläge also gar nicht, es geht um Freundlichkeit und Klugheit, es geht darum Gott und den Mitmenschen zu gefallen. Gott will uns nicht aus der Welt herausziehen, damit wir uns von ihr absondern, sondern er will uns etwas mit auf dem Weg geben, um in dieser Welt bestehen zu können. Freundlichkeit und Klugheit sind Eigenschaften mit denen das geht. Das haben bestimmt alle in Ihrem Leben erlebt, dass man mit Freundlichkeit weiter kommt als mit Miesepetrigkeit. Und die Klugheit so weit einzusetzen, wie sie reicht, und an dann, wenn man an die Grenzen des Verstandes kommt, sich auf Gott zu besinnen, das ist ein wahres Leben, so wie es Gott gefällt.

Denken wir einmal daran, was vor 50 Jahren so alles war.

1955 lag das Kriegsende erst 10 Jahre zurück. Das Wirtschaftswunder beginnt langsam zu entstehen. Das sind gute Aussichten für einen jungen Menschen. Nina Hagen und Karl-Heinz Rummenigge kommen auf die Welt und Romy Schneider lässt mit Sissy die Herzen der Kinobesucher zerschmelzen.

1956 laufen im Kino dagegen „Die Halbstarken" mit Horst Buchholz und Karin Baal. Wer sich nicht zu den Halbstarken rechnete sah sich Heinz Rühmann als Hauptmann von Köpenick an.

Im richtigen Leben war es allerdings viel spannender: der Bundestag führt die Wehrpflicht ein und Russland schlägt die Freiheitsbewegung in Ungarn nieder.

Borussia Dortmund wird zum ersten mal Deutscher Fußballmeister und der Sänger Herbert Grönemeyer und die Olympiasiegerin Ulrike Meyfahrt erblicken das Licht der Welt. Die Karrieren der beiden konnte man damals noch nicht erahnen. Auch der kleine Harald Schmidt, der 1957 zur Welt kam, ahnt noch nicht, dass er mal nachts den Leuten humorvoll die Welt erklärt.

1957 kommt in Monaco Fürstin Caroline zur Welt und in Moskau hört man wieder auf Signale vom Himmel! Aber die Kommunisten sind nicht fromm geworden, sondern hören auf das Piepsen ihres Sputnik.

Das Saarland kommt als neues Bundesland nach Deutschland zurück und Borussia Dortmund wird zum zweiten Mal Deutscher Meister.

Dieses Fußballglück erlebten wir Dortmunder dann noch 4 mal. Aber zwischen der dritten und der vierten Meisterschaft, zwischen 1963 und 1995 lagen 32 Jahre. Jahre, die auch Sie liebe Jubelkonfirmanden erlebt haben, was ist da alles passiert. Familie gründen, Kinder aufwachsen sehen, vielleicht sogar Enkelkinder erleben dürfen. Beruflicher Aufstieg, besondere Erfolge, Eintritt in den Ruhestand. 32 Jahre sind eine lange Zeit, und das war ja nur die Vergleichszahl zwischen zwei Erfolgsperioden unseres Fußballvereins. Fünfzig Jahre sind noch viel mehr.

Fünfzig ist eine runde Zahl. In der Bibel kennen wir die Fünfzig aus zwei Bezügen. Fünfzig ist die Zahl, die auf sieben mal sieben folgt. Alle sieben Jahre begingen die Israeliten das Sabbatjahr, in diesem Jahr sollte auch das Land ruhen, nichts wurde bebaut, man lebte von den Vorräten. Und nach sieben Sabbatjahren, also nach insgesamt 49 Jahren kam das Erlassjahr. Alle Schulden wurden erlassen, und alle Sklaven wurden befreit, und jedes gepachtete Land wurde zurückgegeben. Es war alles wieder wie am ersten Tag, es war alles wieder neu. Das Erlassjahr nannte man auch Jubeljahr, und wenn wir heute sagen das etwas nur alle Jubeljahre passiert, dann erinnert man sich genau an diese alte Tradition. Ein Jubeljahr feiern wir auch heute, ein Jubiläum, fünfzig Jahre Konfirmation, fünfzig Jahre Leben unter Gottes Wort.

Der andere Bezug zur Fünfzig in der Bibel ist das Pfingstfest. Sieben Wochen nach Ostern feiert man es, der fünfzigste Tag, als der Tag nach dem Ablauf der sieben mal sieben Tage, ist der Tag des heiligen Geistes. Wie durch ein Wunder werden die Jünger Jesu vom Geist ergriffen, der ihnen Kraft gab, und sie begeisterte. Danach wurde das Christentum verbreitet, danach nahm es mit der Kirche ihren Anfang.

Beide Beispiele zeigen. Die Fünfzig ist ein wichtiger Einschnitt, aber danach geht es erst richtig los! So wie nach den sieben Sabbatjahren, so wie nach dem Pfingstfest. Gott gibt Ihnen in diesem Jubeljahr neue Kraft und stärkt sie für Ihr weiteres Leben und Ihre neuen Aufgaben.

Es heißt also heute, den Blick nach vorne zu richten, aber natürlich blickt man auch noch zurück, und denkt an schönen Traditionen.

Und darum danken wir Gott für all das, was er Ihnen in dieser Zeit gegeben hat.

Ps 103,1 [Von David.]

Lobe den HERRN, meine Seele,

und was in mir ist, seinen heiligen Namen!

2 Lobe den HERRN, meine Seele,

und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:

3 der dir alle deine Sünde vergibt

und heilet alle deine Gebrechen,

4 der dein Leben vom Verderben erlöst,

der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,

5 der deinen Mund fröhlich macht

und du wieder jung wirst wie ein Adler.

Ja, dieses Jubiläum heute ist wie ein neuer Aufbruch. „Du wirst wieder jung wie ein Adler", sagt der Psalm. Und auch wenn Konfirmation und Goldkonfirmation zwei wichtige Lebenseinschnitte markieren, den Eintritt in das berufliche Leben und den Eintritt in den Ruhestand, dann heißt das doch nicht, dass alles nun vorbei wäre. Das Jubeljahr im Alten Testament und das Pfingstfest im neuen Testament zeigen uns, wenn man die 50 abgeschlossen hat, geht es erst richtig los. Viele Aufgaben warten auf Sie, und Ihre Erfahrungen werden den Menschen helfen, mit denen Sie im Gespräch sind.

Aber über alle dem steht noch die Mahnung Gottes: 7 Dünke dich nicht, weise zu sein, sondern fürchte den HERRN und weiche vom Bösen. 8 Das wird deinem Leibe heilsam sein und deine Gebeine erquicken.

Auf der Weisheit kann man sich nicht ausruhen. Das Wissen der modernen Zeit rauscht an uns vorbei wie ein reißender Strom, aber mit unseren Erfahrungen haben wir einen Schatz der Weisheit, der über das Ansammeln von Wissen hinausgeht.

Und all das was ich für die Fünfzig gesagt habe gilt noch viel mehr für die, die noch auf viele weitere Jahre zurückschauen können.

Gott bleibt uns treu, er hat uns seine Fürsorge bei der Taufe zugesagt und in der Konfirmation bestätigt, und in unserem Leben hat sch erwiesen, dass Gott da ist. Er hat das Schwere mit uns getragen und das Schöne mit uns geteilt.

So sind wir nun dankbar, für Gottes Begleitung in unser aller Leben.

Ps 119,105 Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.

106 Ich schwöre und will's halten: Die Ordnungen deiner Gerechtigkeit will ich bewahren.

Amen.

 

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