© Pfarrer Michael Nitzke, Evangelische Kirchengemeinde Kirchhörde

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"Notfallseelsorge" Augenblickmal Radio 91.2 - 22.7.96

Ein Mann wird überfallen, liegt blutend am Straßenrand und niemand kümmert sich drum. Klarer Fall von unterlassener Hilfeleistung. Schließlich kommt doch jemand, der hilft. Diese biblische Geschichte vom barmherzigen Samariter ist so bekannt, daß viele denken, Samariter, sei ein anderes Wort für Rettungssanitäter.

Doch das Wort bezeichnet eigentlich die Herkunft des Helfers aus dem ungeliebten Nachbarland des damaligen Israels. Spannend an der alten Geschichte ist, wer alles nicht geholfen hat, nämlich Priester und religiöse Beamte. Das soll sich jetzt zweitausend Jahre danach ändern.

Natürlich ist in der Zeit dazwischen nicht jeder Pastor an einem Hilfesuchenden vorbei gegangen. Doch wenn bei einem Unfall ein Seelsorger gebraucht wurde, war oft keiner zu erreichen.

Die beiden großen Kirchen haben nun das Konzept Notfallseelsorge entwickelt: Rettungsdienste können bei einem Unfall immer einen Seelsorger anfunken, der 24 Stunden dienstbereit ist. Dazu halten sich Pastoren und Pastorinnen bereit, die diese Aufgabe neben ihrem Dienst in der Gemeinde übernommen haben.

Körperliche und seelische Hilfe ist nun gemeinsam organisiert. Und nicht nur der, der blutend am Straßenrand liegt, braucht Zuwendung, auch seine Angehörigen. Für sie ist persönliche Nähe besonders wichtig. Sie brauchen auch Menschen, die in solch einer Situation mutig genug sind, ein Gebet zu sprechen.

In Dortmund wurde seit Anfang des Jahres dieser Dienst bereits neunzehn mal in Anspruch genommen. Die schwerste Prüfung war sicherlich das schwere Hubschrauberunglück vor sechs Wochen. Alle Notfallseelsorger, die sich sonst ihren Dienst teilen, waren im Einsatz. Die Betreuung der Angehörigen geht zusammen mit den Ortsgemeinden jetzt noch weiter.

Doch nicht nur Verunglückte und ihre Familien, brauchen Hilfe in der Not, auch der barmherzige Samariter selbst braucht jemanden, mit dem er über seine wichtige Arbeit sprechen kann. Darum halten die Notfallseelsorger auch den Kontakt zu den Feuerwehren und Rettungswachen.