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Datum: 22.2.004 -  Anlass: Estomihi  - Text:  1. Kor. 13,1-13

Liebe Gemeinde, der Predigttext für den heutigen Sonntag Estomihi steht im 1. Korinther-Brief im 13 Kapitel, die Verse 1-13, das ganze Kapitel.

Der Name des Sonntags „Estomihi" leitet sich von dem alten lateinischen Anfangs des Psalmverses für diesen Sonntag ab:

„Sei mir ein starker Fels und eine Burg, daß du mir helfest, in lateinischer Sprache."

1. Korinther 13, Das Hohelied der Liebe

Der Apostel Paulus schreibt:

13 1 Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.2 Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüßte alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, so daß ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts.3 Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib verbrennen, und hätte die Liebe nicht, so wäre mir's nichts nütze.4 Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf,5 sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie läßt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu,6 sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; 7 sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. 8 Die Liebe hört niemals auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird.9 Denn unser Wissen ist Stückwerk, und unser prophetisches Reden ist Stückwerk.10 Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören.11 Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war.12 Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.13 Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Herr, unser Gott, öffne dein Wort für uns und öffne uns für dein Wort.

Liebe Gemeinde,

dieses ganze 13. Kapitel im 1. Korinther-Brief ist sicherlich nicht allen komplett bekannt. Aber ich behaupte einmal, daß jeder der hier sitzt, dieses oder jenes aus diesem Kapitel schon einmal gehört hat. Ein bekannter Text und ein bekanntes Thema, die Liebe.

Über die Liebe spricht Paulus. Die Liebe ist für ihn das große Thema. Daher nennt man auch diesen Abschnitt aus dem 1. Korintherbrief, das „Hohelied der Liebe". Und so können wir bei diesem Hohenlied der Liebe auch Anklänge an einen anderen biblischen Text feststellen. Dieses Hohelied der Liebe des Paulus erinnert uns an das Hohelied Salomos, denn auch dieses hat ja die Liebe zum Thema. Diese Anknüpfung funktioniert sicherlich zunächst über die Überschrift, die uns eine Brücke baut. Allerdings sind diese Überschriften später in die Bibeltexte eingetragen worden, um sie zu gliedern.

Im Hohenlied Salomos geht es um die Liebe zwischen Mann und Frau. Ich möchte einen Auszug aus diesem Hohenlied Salomos einmal verlesen, damit sich auch einen Vergleich bekommen. Dort heißt es im 4. Kapitel:

4 1 Siehe, meine Freundin, du bist schön! Siehe, schön bist du! Deine Augen sind wie Taubenaugen hinter deinem Schleier. Dein Haar ist wie eine Herde Ziegen, die herabsteigen vom Gebirge Gilead.2 Deine Zähne sind wie eine Herde geschorener Schafe, die aus der Schwemme kommen; alle haben sie Zwillinge, und keines unter ihnen ist unfruchtbar.3 Deine Lippen sind wie eine scharlachfarbene Schnur, und dein Mund ist lieblich. Deine Schläfen sind hinter deinem Schleier wie eine Scheibe vom Granatapfel.4 Dein Hals ist wie der Turm Davids, mit Brustwehr gebaut, an der tausend Schilde hangen, lauter Schilde der Starken.5 Deine beiden Brüste sind wie junge Zwillinge von Gazellen, die unter den Lilien weiden.6 Bis der Tag kühl wird und die Schatten schwinden, will ich zum Myrrhenberge gehen und zum Weihrauchhügel.7 Du bist wunderbar schön, meine Freundin, und kein Makel ist an dir.

Man könnte diese Worte in etwas anderer Sprache, oder Formulierung heute noch in einen Liebesbrief schreiben. Einen Brief, den man einem geliebten Menschen schreibt, der Liebe seines Lebens.

Die Liebe zwischen Mann und Frau wird in diesen schönen Worten des Hohenlieds Salomos geschildert und doch ist dies immer als Bild, als Vergleich verstanden worden. Ein Bild für die Liebe Gottes zu seinen Geschöpfen, den Menschen. Später sah man darin auch ein Bild für die Liebe Jesu Christi zu seinem Leib, dem Leib Christi, seiner Gemeinde, und damit auch ein Bild für die Kirche.

Vielleicht hat man gedacht, daß diese Worte, diese intimsten und geheimsten Worte, das Verhältnis von Gott zu den Menschen am besten beschrieben können und das solche innigen Ausdrücke besonders dieses innige Verhältnis abbilden können.

Im Hohenlied der Liebe des Apostels Paulus ist jedoch die Sprache eine andere. Es wird nicht die Sprache der Liebe zwischen Mann und Frau gewählt, um etwas anderes auszudrücken, sondern es wird die Liebe beschrieben, mit ihren verschiedenen Eigenschaften, wie wir sie in unserem täglichen Leben erkennen können.

Im Hohenlied des Paulus geht es also eher um die Liebe als Grundvoraussetzung für das Menschsein. Ganz praktische Anweisungen gibt er hier.

Aber man muss sie übersetzen, denn wer versteht heute noch: „die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf." Man muss diese Worte, die noch etwas aus altertümlicher Sprache stammen, für in unser eigenes Leben übertragen. Es heißt dann vielleicht, „die Liebe fragt nach dem anderen Menschen. Sie spielt sich nicht auf, sie bläht sich nicht auf. Sie macht mit dem anderen nicht, was sie will, sondern setzt sich für den anderen ein."

Sicherlich haben manche von ihnen solch einen Vers aus diesem Hohenlied schon einmal gehört. Vielleicht haben Sie erlebt, wie er zu einem Vers zum Leben wurde. Vielleicht haben einige von Ihnen selbst einen dieser Verse als Trauspruch oder als Konfirmationsspruch bekommen oder haben ihn schon einmal gehört, als Sie auf dem Friedhof waren, um einen lieben Menschen zu verabschieden, denn diese Worte, sind Worte fürs Leben und fürs Sterben.

„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die Größte unter ihnen." Dies ist sicherlich der bekannteste Vers, aber sowie dieses Bibelstück nicht einfach ein Liebesbrief ist, wie es das Hohelied Salomos in manchen Teilen sein könnte, so ist dieses Abschnitt auch nicht unbedingt ein Steinbruch, aus dem man nur Verse fürs Leben herausschlagen könnte. Ein konkreter Anlaß lag vor, dass Paulus diese lange und schöne Abhandlung schrieb, von der wir heute gerne für unser Leben etwas mitnehmen.

Anlass war das damalige Problem der Zungenrede. Ein Problem, was uns heute kaum noch etwas sagt.

Sie kennen sicher die Geschichte vom Pfingstereignis, wie alle Menschen in anderen Zungen, d.h. in anderen Sprachen redeten, aber dennoch konnte jeder sie verstehen, weil der Heilige Geist dafür sorgte. Dieses Pfingstereignis muss auf die Menschen in Korinth solch einen großen Eindruck gemacht haben, dass auch sie in anderen Zungen reden wollten, wenn sie über das Wort Gottes redeten. Nur, dass sie vielleicht dieser anderen Sprachen gar nicht mächtig waren und dass ein anderer es beim besten Willen auch nicht verstehen konnte. Sie aber dachten, sie wären vom Heiligen Geist bewegt und könnten etwas von diesem Geist in unverständlicher Sprache reden. Diese Frage spricht Paulus an, und er gibt ihnen ganz praktische Hinweise: „Wenn ihr schon unbedingt in Zungen reden müsst, die keiner versteht, dann, doch bitte erstmal nicht alle durcheinander. Vielleicht nur zwei oder drei in einem Gottesdienst, und auch schön nacheinander. Und dann erklärt ihr den Menschen, was ihr damit eigentlich sagen wolltet. Übersetzt euch also selbst, damit die anderen es auch verstehen. Und neben diesem praktischen Hinweis gab Paulus noch einen Weiteren."

So leitet er dieses Kapitel ein, mit den Worten, ich will euch noch einen weiteren Weg zeigen. Einen Weg der Liebe. Das heißt dann doch, wenn ich die anderen Menschen liebe, dann mute ich ihnen auch nicht zu, daß sie unverständliche Worte hören, die sie nicht verstehen können. Sondern dann bemühe ich mich um sie, erkläre ihnen, was ich meine und setze mich nicht aufs hohe Ross und sage: „Na wenn du meine fremden Zungen nicht verstehst, dann wird es wohl an dir liegen, oder an der Tatsache das der Heilige Geist dich verlassen hat." Wer so dachte damals, ging nicht den Weg der Liebe. Den Weg der Liebe geht derjenige, der sich für andere einsetzt. Der sich nicht aufspielt, der nicht mit den anderen macht was er will, sondern sich aufopfert und auch somit manches erträgt, wie es in diesem Kapitel steht.

Es kommt also auf die Liebe an: im Umgang der Menschen untereinander, im Umgang der Christen in der Gemeinde, damals in Korinth.

Und da sagt Paulus: Liebe ist das Größte. Liebe ist sogar mehr als alle Erkenntnis und alles Wissen über den Glauben und sogar mehr als der Glaube selbst. Mehr als Wissen über den Glauben und mehr als dieser Glaube selbst.

Im Konfirmandenunterricht, wird bei uns noch immer etwas auswendig gelernt. Am Freitag haben die jungen Menschen auch in einer Prüfung bewiesen, dass sie sich gut vorbereitet haben. Aber sie haben es auch verstanden über diesen Glauben zu sprechen. Und wenn sie für sich diesen Glauben im Herzen angenommen haben, dann werden die auswendig gelernten Worte zu einem lebendigen Zeugnis.

Und Paulus sagt hier sogar noch mehr. Wenn einer das alles kann und dann noch allen Glauben hat, so dass er Berge versetzen könnte, wie es im Evangelium steht, und er hätte dann keine Liebe, dann wäre ihm das überhaupt nichts nütze.

Liebe ist bei im sogar mehr wert als der Glaube. Aber wie kann dass sein, wo wir doch in den Heilungsgeschichten hören, dass allein der Glaube so wichtig ist. Wenn Jesus Menschen gesund gemacht hat, dann hat er das nicht mit irgendeinem Zauber, sondern getan, sondern er hat nur den Glauben der Menschen erkannt und herausgestellt. Dein Glaube hat dir geholfen. So heißt es in vielen Wundergeschichten.

Der Glaube. Aber wir hören hier, der Glaube ist nicht alles. Die Liebe gehört dazu. Liebe ist die Grundlage unseres Lebens.

Manche Menschen, so hört man, würden aus Liebe alles tun. So liest man es in Romanen, oder sieht es in Filmen. Dort würden manche Menschen aus Liebe sogar Böses tun. „Ja, ich habe diesen Menschen geliebt und liebe ihn, dafür habe ich dann das und das getan."

Aber ist das richtig verstandene Liebe? Wenn der Filmheld sich vor dem Richter verantworten muss, was wird er dann sagen. Kann er die Liebe als Ausrede oder Alibi für sein Tun heranziehen? Sicher nicht. Dann wäre auch das falsch verstanden, was Paulus hier beschreibt.

Die Liebe die Paulus hier schildert, ist nicht allein die Liebe zwischen zwei Menschen, die sie zu allerhand unvernünftigen Handlungen führen kann. Liebe ist mehr. Nicht nur zwischen Mann und Frau gibt es besondere Bande. Sondern dieses besondere Band muß zwischen allen Menschen gewebt sein, wie ein Netz was alle die daran teilhaben miteinander verbindet. Wenn ich also einen Menschen über alles liebe, wie man so oft sagt, und dadurch das Wohl der anderen Menschen mir gleichgültig geworden ist, dann hätte ich etwas völlig falsch verstanden.

Liebe hat alle Menschen im Blick. Aber Liebe ist auch noch mehr, als sich nur für alle Menschen einzusetzen.

Wenn ich alle Menschen wirklich im Blick hätte, mich für sie einsetze, alle bedürftigen Menschen Almosen gäbe, für alle Menschen soziales Engagement zeigte und das alles nur täte, weil es meine Pflicht wäre, dann hätte es keinen Sinn. Wenn ich diese Menschen nicht wahrhaft lieben würde und ihr Wohl und Wehe mir nicht am Herzen liegen würde, dann wäre ich auch nichts nütze.

Wenn ich mit so und so vielen Daueraufträge von meinem Konto regelmäßig etwas spenden würde, und würde die Menschen nicht wirklich lieben, denen durch mein Geld geholfen wird, dann wäre es auch nichts nütze, wie Paulus schreibt.

Alles und nichts, das sind die Worte mit denen Paulus die Liebe beschreibt. Alles oder Nichts, wir kennen diesen Gegensatz und diese Worte sind bewusst gewählt in diesem Hohenlied der Liebe. Zweimal heißt es am Anfang, es wäre mir nichts nütze, wenn das und das fehlte. Und viermal, doppeltsovielmal also, heißt es am Ende, dass die Liebe alles erträgt und erduldet. Dass sie alles, überschaut. Sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.

Paulus redet in Extremen: „Die Liebe duldet alles?"

Manche Menschen sagen: „Das geht doch nicht. Man kann nicht alles erdulden." Vielleicht sind das auch die Menschen, die Jesus Christus nicht verstehen, der ja wahrhaftig in seinem Leben alles erduldet hat, der sogar bis zum Tode am Kreuz gegangen ist.

Wie steht es heutzutage um Menschen, die alles erdulden müssen. Gibt es nicht auch mal einen Punkt an dem man sagen muß, „Jetzt reicht es aber! Jetzt hast du genug erduldet!" Manche Ehepartner erdulden soviel, daß Außenstehende mit gutem Grund raten können: „Jetzt ist es genug! Mehr kannst du nicht aushalten."

Aber wir erleben doch, daß viele diese Ehepartner doch sagen: „Es ist noch nicht genug. Ich mache noch einen Versuch!"

Wie man dann in solch einer Situation reagiert kann nicht hier pauschal gesagt werden. Auch dafür braucht es Liebe, Verständnis für den anderen, Einfühlungsvermögen und eben Liebe.

Wir erleben auch wie in Familien oft auch Eltern leiden und erdulden, was ihre Kinder alles tun, das nicht richtig ist. Kinder, die auf den Weg der Drogen gekommen sind. Familien, die aber dennoch nicht von diesen Kindern ablassen, sich für sie einsetzen, deren Liebe niemals aufhört. Und das ist ja auch ein Vers aus diesem Hohenlied der Liebe. Die Liebe hört niemals auf.

Was bedeutet dieser Spruch? Auch dieses Bibelwort wird oft als Trauspruch bei kirchlichen Hochzeiten gewünscht. Und wir fragen uns manchmal, wie stimmt das denn überein mit dem, was wir ja sehen, wenn wir mit offenen Augen durchs Leben gehen. Gibt es nicht doch eine Menge Partnerschaften und Ehen in denen die Liebe aufgehört hat.

Aber, vielleicht müssen wir es so sehen: Die Liebe hört niemals auf. Dieser Vers ist kein Garantieschein, sondern um im Bild zu bleiben, eher eine Gebrauchsanweisung. Wenn ich einfach nur sage, „Ja die Liebe hört niemals auf", dann werde ich vielleicht doch Situationen erleben, wo es an Liebe mangelt. Wenn ich aber weiß, die Liebe hört niemals auf und sehe das als Aufgabe, an der ich arbeiten muss und auch selbst meinen Teil zu beitragen muss, dass sie nicht aufhört, dann ist das ein Weg den ich beschreiten kann. Dann wird dieser Vers, die Liebe hört niemals auf, eine Verheißung.

Aber dieser Vers heißt bei Paulus noch mehr. Er ist nicht nur eine Gebrauchsanweisung für das partnerschaftliche und eheliche Leben, sondern eine Zustandsbeschreibung für das Glaubensleben der Christen.

Es steht noch ein anderer beruhigender Satz hier: Unser Wissen ist Stückwerk. Wir können nicht alles über Gott erkennen und nicht jetzt schon alles über sein Reich sagen. Wir ahnen etwas, wir haben etwas gelernt, aber das ist nicht alles.

Doch dieses Stückwerk wird sich irgendwann einmal zu einem Ganzen zusammenfügen, doch bis es einmal so weit ist, ist immer noch die Liebe da.

Wissen, Erkenntnis und Geschicklichkeit, all das ist unvollkommen und vergeht einmal im Reich der Vollkommenheit Gottes. Aber die Liebe wird ewig bleiben. Wir haben sie jetzt schon und sie bleibt ewig bestehen.

Paulus macht das deutlich, wenn er hier den Vergleich von Kindsein und Erwachsensein anspricht. Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind. Als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab was kindlich war.

Auch dies müssen wir versuchen zu verstehen.

Hat Jesus nicht gerade gesagt, „wenn ihr nicht werdet wir die Kinder, werdet ihr nicht ins Reich Gottes kommen."

Aber hören wir genau hin! Jesus sagt es den Menschen so: „Ihr müsst euch die Einfältigkeit und das natürliche Vertrauen der Kinder bewahren. Ihr müßt nicht euch selbst über alles setzen, wie es Erwachsene gewohnt sind. Ihr bewahrt euch eure Kindlichkeit."

Dagegen spricht auch Paulus nicht. Er beschreibt nur das Kindsein und Erwachsensein in einem Bild. Und er sagt, kindliches Verstehen ist doch irgendwo noch Stückwerk. Und er sagt, dieses Stückwerk fällt von einem Erwachsenen irgendwann ab. Und dann hat er in verschiedenen Bereichen seines Lebens eine so große Erfahrung, dass man nicht mehr von Stückwerk redet, sondern von guter Kenntnis.

Paulus sieht unser ganzes Glaubensleben als eine einzige Kindheit an. Das ganze Glaubensleben von der Geburt und Taufe bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir vor Gott unserem Richter und Fürsprecher stehen, all das sieht er als Kindheit an.

Und erst dann wenn wir unser Leben vollendet haben, sind wir bildlich gesprochen Erwachsene.

Diese Kindheit ist das Stückwerk, der Versuch der Erkenntnis fällt von uns ab, aber die Liebe die bleibt, die wird verstärkt. Wer in seinem Leben meint, alles zu kennen, kann schnell lieblos werden. Erst die Vollkommenheit des Reiches Gottes macht uns erwachsen.

Und hier benutzt er das schöne Bild vom Spiegel. Er hat einen altertümlichen Spiegel vor Augen, in dem man damals noch nicht alles erkennen konnte. Vielleicht war es als wenn wir heute in eine dunkle Glasscheibe schauen.

12 Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.13

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Paulus will hier keine Konkurrenz zwischen Glauben, Hoffnung und Liebe aufbauen. Aber wir können heute vielleicht mit Worten aus unserer Zeit verstehen, was er gemeint hat.

Die Liebe ist nicht alles, aber ohne Liebe ist alles nichts. Amen.

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