© Pfarrer Michael Nitzke, Evangelische Kirchengemeinde Kirchhörde

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Augenblickmal: Radio 91.2: 5.9.1997


"Jetzt droht der Krieg um die Köpfe der Kinder." Dieser Satz ging neulich hier so über den Sender. Es waren keine Nachrichten aus Kriegsgebieten irgendwo in der Welt. Es ging um einen Krieg, der hier bei uns vor der Tür stattfindet.

Um es vorweg zu nehmen: es geht nicht um eine Bedrohung von Kindern mit Waffengewalt.

Gemeint ist eine Auseinandersetzung um die Finanzierung von Kindergärten. Bisher wurden die Zuschüsse des Landes für kirchliche Kindergärten nach der Anzahl der Gruppen gezahlt. Demnächst kommt es auf die Zahl der Kinder an, die den Kindergarten wirklich besuchen.

Nach bisherigen Maßstäben hätte das keinen Unterschied gemacht. Die Wartelisten waren so hoch, daß alle Kindergärten ausgelastet waren und mehr als fünfundzwanzig Kinder pro Gruppe ließ das Gesetz nicht zu. Damit alle dreijährigen Kinder bis zum Schulbeginn einen Platz haben, werden nun auch in Dortmund mehr Einrichtungen gebaut, die sich bald Konkurrenz machen werden. Denn dann gibt es mehr Plätze als Kinder, und dann geht eben der Krieg um die Köpfe der Kinder los.

Nun sagt sich vielleicht mancher, daß Konkurrenz doch das Geschäft belebt, und daß dann eben effektiver gearbeitet werden muß. Doch das würde ja heißen, daß bisher Effektivität keine Rolle spielte.

Die Kirchen sind von der neuen Regelung besonders betroffen. Sie haben sich in den letzten Jahren für eine gute personelle Ausstattung der Kindergärten eingesetzt. Wenn nun der Erhalt eines Kindergartens zu einem unkalkulierbaren Risiko wird, dann wird an den Bedürfnissen der Kinder vorbei entschieden. Dann wird auf Kosten der Kinder gespart.

In unseren kirchlichen Kindergärten wird auf gute Entfaltungsmöglichkeiten der Kleinen Wert gelegt. Mit Kindern beten, mit ihnen spielerisch Nächstenliebe einüben und dazu noch basteln und die Welt der Großen kennenlernen, das kann nicht zwischen Tür und Angel geschehen.

Es ist richtig, daß heute auf allen Ebenen gespart werden muß. Niemand hat mehr etwas zu verschenken. Aber die Verteilungskämpfe dürfen nicht auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden, denn wie kann ich Kinder zum friedlichen Verhalten erziehen, wenn ich um ihre Köpfe Krieg führen muß?