© Pfarrer Michael Nitzke, Evangelische Kirchengemeinde Kirchhörde
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Um halb zehn ist Hochofenabstich, dann geht es ins Stahlwerk, danach in die Stranggießanlage.
Alle reden von Hoesch, wir gehen hin. Unter diesem Motto, besuchten wir evangelischen Pfarrer und Pfarrerinnen aus dem Dortmunder Süden die Werksanlagen in Hörde und auf der Westfalenhütte.
Ein Einstieg in eine fremde Welt. Schon das Aufsetzen der Schutzhelme ist für uns fremd. Die Gerüche in den Werkshallen das Wechselspiel von Hitze am Hochofen und Aprilwetter draußen, der Blick in glühendes Eisen, das wie in einem Bach über den Boden fließt, das bedrohliche Gefühl der riesigen Pfannen mit kochendem Stahl über uns, all das sind Eindrücke die bleiben.
Hier kann ein Mensch noch etwas bewegen, hier kommt bei der Arbeit noch etwas greifbares heraus, auch wenn viele Hoeschianer nur noch am Computer sitzen, wissen sie welche gigantische Kraft sie mit einem Befehl freisetzen können.
Vielleicht werden wir diese Eindrücke bald nur noch erzählen, wie Geschichten aus längs vergangenen Zeiten. Jeder weiß, die Jahre in denen in Dortmund noch Stahl gekocht wird, sind gezählt.
Und damit gehen nicht nur Arbeitsplätze verloren, die durch einen geschickten Strukturwandel woanders wieder errichtet werden können, hier stirbt auch eine ganze Kultur.
An jedem Arbeitsplatz, der hier verloren geht, hängen weitere: in der Zulieferindustrie, in den Geschäften in unserer Stadt, und schließlich auch bei uns in der Kirche. Jeder Arbeitslose mehr, ist für uns nicht nur eine seelsorgerliche Aufgabe, sondern gleichzeitig auch Existenzbedrohung. Und dann fällt einem auf, daß die gleichen Diskussionen wie in der Stahlbranche auch bei uns geführt werden. Weniger Personal, schlankere Strukturen auch in der Kirche.
Doch wohin sollen die Menschen, wovon sollen sie leben? Unser soziales Sicherungssystem ist darauf aufgebaut, daß die meisten gut verdienen.
Ein afrikanischer Pfarrer hat beim Anblick des kochenden Stahls einmal gesagt: "Ich habe hier die Hölle gesehen." Doch ich habe den Eindruck, die Hölle entsteht dann, wenn dieses Feuer einmal ausgeht.
Michael Nitzke, Evangelische Gemeinde Kirchhörde, für Augenblickmal.
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