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Predigt am 1. Weihnachtstag 2000 - Johannes 3,31-36

31 Der von oben her kommt, ist über allen. Wer von der Erde ist, der ist von der Erde und redet von der Erde. Der vom Himmel kommt, der ist über allen 32 und bezeugt, was er gesehen und gehört hat; und sein Zeugnis nimmt niemand an. 33 Wer es aber annimmt, der besiegelt, dass Gott wahrhaftig ist. 34 Denn der, den Gott gesandt hat, redet Gottes Worte; denn Gott gibt den Geist ohne Maß. 35 Der Vater hat den Sohn lieb und hat ihm alles in seine Hand gegeben. 36 Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer aber dem Sohn nicht gehorsam ist, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.

Liebe Gemeinde,

vom Himmel hoch, da komm ich her...

so haben wir gesungen. In dem Lied wird der Engel verkörpert, der die frohe Botschaft zu den Menschen auf die Erde bringt.

Um das Spannungsverhältnis zwischen Himmel und Erde geht es in diesem Bibelabschnitt.

Wer nur von Oben aus verkündet, bliebt über den Menschen, kommt nicht an sie heran.

Wer nur mit beiden Beinen auf der Erde stehen will, ist zwar bodenständig, aber er kommt auch nicht über das hinaus, was er kennt.

Himmel und Erde bleiben in Spannung. Dabei brauchen wir auf der Erde doch jemanden, der von einer etwas erhöhten Position aus blicken kann, um den Weg weiter zu überblicken, als wir das können, wenn wir mit beiden Füßen auf der Erde bleiben.

Normalerweise wollen die Menschen heute nicht so viel mit dem Himmel zu tun haben. Eine gewisse Skepsis hat sich ausgebreitet. Was kann von da oben kommen? Und wenn von oben was kommt, was hat das mit mir zu tun.

Der Himmel ist weit weg. Und das was mich betrifft, was aus dem Himmel kommt ist unbeständig. Ich meine das Wetter mit all seinen Launen. Frühlingsluft im Dezember führt eben zu einer gewissen Skepsis zu allem, was aus dem Himmel kommt. Aber zu Weihnachten sind wir dem Himmel doch durchaus aufgeschlossen. Da fliegen Rentiere vor unserem geistigen Auge her und sorgen für die richtige Logistik der Geschenke.

Ja zu Weihnachten ist alles möglich. Aber wir brauchen eine Einstellung zum Himmel die weiterträgt, die auch noch Sylvester Bestand hat, wenn wir zum großen Gegenschlag ausholen und den Himmel von allen Seiten mit Raketen bombadieren. Unsere Einstellung zum Himmel muss auch noch stimmen, wenn wir im Mär oder April uns den Mantelkragen hochschlagen damit der Regen aus dem Himmel nicht den Nacken herunter läuft. Unser Verhältnis zum Himmel muss auch noch am sogenannten Vatertag stimmen, wenn wir vor dem Himmelfahrtstag in die Natur entfliehen und fest auf einen lachenden Himmel hoffen.

Vom Himmel hoch da komm ich her...

Zu Weihnachten scheint alles möglich.

So sollte es denn uns auch nicht wundern, dass Gott am ersten Weihnachtstag, den es überhaupt gab, seinen Himmel verlassen hat, um auf die Erde zu kommen. Er hat das Spannungsverhältnis von Himmel und Erde überwunden und ist heruntergekommen auf die Erde. Er ist also ein heruntergekommener Gott. Und an diesem Wortvergleich sehen wir, wie negativ besetzt doch dieses unten ist. Heruntergekommen, ist jemand, wenn er kein Dach über dem Kopf hat, wenn er keinen richtigen Platz zum Schlafen hat, wenn er nichts richtiges zum Anziehen hat und um sein leben fürchten muss.

Insofern war der erste Weihnachtstag ja nun wirklich der tag eines heruntergekommenen Gottes. Er hat gleich mehrere Stufen auf einmal genommen. Zunächst der Abstieg vom Himmel und dann die Geburt in einem Stall. Kein richtiges bett, sondern ein Futtertrog. Kein richtiges Dach über dem Kopf, dafür Tiere vor der Nase und Angst um das eigene Leben, denn es traf sich das die Machthaber fürchteten, vor dem Kind in der heruntergekommenen Herberge von dem sie noch nicht wussten, dass es der heruntergekommene Gott war.

Gott zeigt damit, dass er nicht über allem schweben will, sondern dass er bei den armen, schwachen und kranken ist, dass er hier seinen Platz auf der Erde sieht.

Doch gekommen ist er ja auch, um eine Brücke zu schlagen zwischen Himmel und Erde.

Da mit die Geschöpfe sehen, was der Schöpfer Ihnen bedeutet, wird der Schöpfer selbst zum Geschöpf. Gott wird Mensch.

Er kann nun bezeugen, wie es im Himmel ist. Doch der Evangelist Johannes gibt es so wieder, wie es leider ist. Sein Zeugnis nimmt niemand an.

Vielleicht ein bisschen pessimistisch dieser Johannes. Denn es kommen doch die Hirten von den Feldern, es kommen doch die Weisen aus dem Morgenland und beten den Gottessohn an. Ja sie kommen, die am Rande der Gesellschaft stehen, weil sie in einfachen berufen arbeiten oder aus fremden Ländern stammen. Aber die meisten können mit dem Kind in der Krippe nichts anfangen. Sie können auch später mit dem erwachsenen Christus nichts anfangen, fühlen sich von ihm provoziert oder fühlen, dass ihre Traditionen in frage gestellt werden.

Doch Johannes korrigiert sich im gleichen Atemzug selbst. Er bleibt nicht dabei stehen, dass er sagt: Sein Zeugnis nimmt niemand an. Er sagt: Wer es aber annimmt, der besiegelt, dass Gott wahrhaftig ist.

Einige nehmen es also doch an, und diese leisten einen wertvollen Dienst. Denn sie bestätigen, dass alles mit rechten Dingen zu geht.

Gott ist wahrhaftig. Er ist wahrhaftig, der oben bleiben könnte wenn er wollte, der unnahbar bleiben könnte, wenn er die Lust dazu hätte. Doch er hat sich der Erde genähert, er ist heruntergekommen. Und einige auf der Erde haben das erkannt. Sie geben es weiter, wie der Engel der singt: "vom Himmel hoch da komm ich her...

Euch ist ein Kindlein heut geborn...

Es ist der Herr Christ, unser Gott. "

Gott und Mensch sind eins, Vater und Sohn sind eins. Es ist eine doppelte Verknüpfung die da entsteht. Gott sendet seinen Sohn als Menschen zu den Menschen und füllt ihn mit seiner ganzen Göttlichkeit aus.

"Der Vater hat den Sohn lieb und hat ihm alles in seine Hand gegeben.", lesen wir bei Johannes.

In diesem Sohn liegt alles, wirklich alles. Die göttliche Kraft und die menschliche Schwäche. Beides wird aufeinander bezogen und so miteinander verbunden, dass das Schwache stark wird und das Starke auch Schwäche zeigen kann. Das ist aber nun keine Vermischung die zu einem grauen Einheitsbrei führt, sondern was hier entsteht ist die Grundlage für unser Leben.

Gott kommt von oben herab. "Alles Gute kommt von oben!" sagen wir gerne und es damit sicherlich zunächst Sonne und Regen gemeint, der sichtbare Segen Gottes, der unser Leben erhält und die Saat wachsen lässt. Der ewige Kreislauf des Lebens. Gott kommt von Oben zu uns und bricht diesen Kreislauf von Werden und vergehen auf zu einer Linie ohne Ende. Werden und bestehen, Nicht werden und Vergehen. Ewiges Leben will er uns schenken. Die Begegnung mit dem Krippenkind, schafft unvergängliches Leben für den der glaubt.

Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben.

Johannes sagt es klar und deutlich. Wer an den Sohn glaubt der hat es. Der wird es nicht vielleicht irgendwann einmal bekommen, sondern der hat es bereits empfangen.

Das ewige Leben ist sicherlich das schönste aber auch das schwierigste Weihnachtsgeschenk. Ich habe es, aber kann ich schon damit umgehen? Ich muß mich erst vertiefen in die Gebrauchsanleitung bin dann aber auch noch nicht viel schlauer. Ich lerne erst im Vollzug, wie ich dieses Geschenk richtig anwende. Mit dem ewigen Leben kann ich nicht zu meinen Freunden gehen und es herumzeigen. Schau mal was ich bekommen habe. Dieses Geschenk muss ich in mich aufnehmen. Das ist wie ein Energieschub. Das gibt mir Kraft mein Leben, von dem ich ja erst mal nur weiß, dass es endlich ist. Aber das ewige Leben ist die Motivation, das endliche Leben auszufüllen und nicht zu verzweifeln. Das Ewige Leben ist die Aussicht Gottes Liebe ewig zu spüren. Er ist heruntergekommen zu uns um uns die Liebe und das Leben zu schenken. Eines Tages werde ich zu ihm heraufkommen, ja heraufgezogen werden, damit ich diese Liebe ewig verspüre.

So bleibt bei diesem Geschenk der Liebe immer noch etwas geheimnisvoll. Etwas ist von diesem Geschenk quasi noch nicht ausgepackt, obwohl ich schon im Besitz des Geschenkes bin.

Aber ich weiß, dass ich es habe. Ewiges Leben, ewige Liebe, Ewige Begleitung durch den Gott, der sich nicht zu schade war, sich die Finger schmutzig zu machen und auf unsere unfriedliche Welt gekommen ist.

Weihnachten das heißt also Gott ist lebendig geworden in einer Welt, die so sehr vom Tod bestimmt ist.

Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer aber dem Sohn nicht gehorsam ist, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.

Tauchen da nun Misstöne auf in der schönen Weihnachtsstimmung? Ist es doch so, dass Weihnachten das konfliktreichste Fest ist. Wo die Erwartungen aufeinanderprallen und mache Festgesellschaft im Zorn auseinandergeht. Muss Gott nun auch so anfangen, es könnte ja alles so schön sein, und nun wird vom Zorn geredet?

Zunächst einmal ist es ja eigentlich klar. Wer dem Kind in der Krippe glaubt, der hat das Leben. Wer ihm nicht glaubt der hat es nicht, und wird es auch nicht sehen. Wenn ich kein Geschenk von jemandem bekomme, weil ich ihn nicht zum Fest eingeladen habe oder zu ihm komme, dann werde ich auch nicht wissen, was denn vielleicht in dem schön verschnürten Paket dringewesen wäre. Bis dahin scheint alles klar und nachvollziehbar. Aber warum nun der Zorn?

Wenn ich mit diesem Gott nichts zu tun habe, warum trifft mich dann sein Zorn, soll er mich doch in Ruhe lassen, wird ein Skeptiker über diese Zeilen denken.

Es kommt aber darauf an, wie wir Gottes Zorn verstehen. Oft wird zwar Gottes Zorn als eine spontane Reaktion geschildert, aber es scheint mir auch so zu sein, dass der Zorn Gottes so eine Grundstimmung wiederspiegelt, die deutlich macht dass alles einmal vergehen muss. Im 90. Psalm heißt es:

7 Das macht dein Zorn, dass wir so vergehen, und dein Grimm, dass wir so plötzlich dahinmüssen. 8 Denn unsre Missetaten stellst du vor dich, unsre unerkannte Sünde ins Licht vor deinem Angesicht. 9 Darum fahren alle unsre Tage dahin durch deinen Zorn, wir bringen unsre Jahre zu wie ein Geschwätz.

Es ist hier keine individuelle Strafe gemeint. Zwar ist von Missetat und Sünde die Rede, aber die scheint nicht Ursache für den Zorn zu sein. Zornig ist Gott weil unser Leben so einfach vergeht wie ein Geschwätz. Ja er scheint fast traurig zu sein, darüber, dass seine Schöpfung so vergänglich ist, wenn nicht das Geschenk des Lebens angenommen wird.

Wer aber dem Sohn nicht gehorsam ist, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.

Das kann also heißen: Wer das Geschenk des Lebens nicht annimmt, der wird nichts davon haben, und der, der mir diese Gabe schenken wollte ist traurig darüber und vielleicht auch ein bisschen ärgerlich, weil doch eigentlich alles so schön sein könnte.

Wer nun meint, dass diese Deutung zu verniedlichend ist, der muss sich vor Augen führen, wie schnell Gottes Zorn wieder vergehen kann. Im Psalm 30 können wir das lesen:

Ps 30

5 Lobsinget dem HERRN, ihr seine Heiligen, und preiset seinen heiligen Namen! 6 Denn sein Zorn währet einen Augenblick und lebenslang seine Gnade. Den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens ist Freude. 7 Ich aber sprach, als es mir gut ging: Ich werde nimmermehr wanken. 12 Du hast mir meine Klage verwandelt in einen Reigen, du hast mir den Sack der Trauer ausgezogen und mich mit Freude gegürtet, 13 dass ich dir lobsinge und nicht stille werde. HERR, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit.

Gott kann verwandeln. Kurzen Zorn in lange Gnade. Göttliche Herrlichkeit in menschliche Armut, und die Angst vor Tod und Vergänglichkeit in Freude über das ewige Leben und die ewige Liebe.

Wer dieses annimmt, der besiegelt, dass Gott wahrhaftig ist.

Frohe und Gesegnete Weihnachten. Amen.