© Pfarrer Michael Nitzke, Evangelische Kirchengemeinde Kirchhörde
Augenblickmal Radio 91.2 31.12.1999
Das Auto biegt am Kirchhörder Berg
um die Ecke und wird langsamer, man sieht förmlich wie die Leute
darin den Hals recken um zu genau sehen zu können.
Ist da wieder ein Unfall? Sind das Schaulustige, die da stehenbleiben. Der Autofahrer schaut zur Kirche. Was kann es da schon zu sehen geben? Eine Hochzeit ist auch nicht! Es ist alles ruhig, keine Menschenseele ist da. Aber am Kirchturm hängt ein ungewöhnliches Plakat. Zunächst sieht man nur dicke rote Streifen. Was soll das? Beim näheren Hinsehen sieht man, dass die Streifen das Wort Jesus mit der Zahl 2000 verbinden.
"Jesus 2000." Jetzt ist die Kirche auch schon im Millenniumswahn. Was soll das, müssen die sich überall mit dranhängen? "Jesus 2000." Doch halt, war da nicht was? Warum eigentlich 2000?
2000 nach Christus! Ach ja, die haben ja recht. Ohne Jesus gäbs ja heute gar keine Millenniumsparty! Ob da einer dran denkt, wenn er heute abend die Sektkorken knallen läßt und die Raketen anzündet?
2000 Jahre ist das schon her, hat sich ganz schön lange gehalten diese Kirche.
Nicht nur der Autofahrer in Kirchhörde hat das ungewöhnlich Plakat gesehen. Es hängt auch in Lütgendortmund und Kirchlinde und in der Innenstadt an der Nicolaikirche und in der Melanchthongemeinde.
"2000 nach Christus", das sagt sich so leicht! Dabei heißt es doch eigentlich "nach Christi Geburt". - "nach Christus", das hört sich an als sei Christus gar nicht mehr da. Aber für den, der glaubt, ist Jesus Christus da. Er ist da, wenn wir morgens aufstehen, und er ist da, wenn wir schlafen. Er ist da, wenn wir traurig sind, und er ist da, wenn wir feiern. Und der, der aus dem Auto aussteigt und ganz nah an das Plakat herangeht sieht auch die zarten Buchstaben am Rand: "Siehe ich bin bei euch alle Tage..."
Jesus 2000. Das könnte der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein.
Michael Nitzke, Evangelische Gemeinde Kirchhörde für Augenblickmal